AIDAvita: Vom Kussmund-Klassiker zur „Blue Dream Melody“
Die AIDAvita war das zweite Schiff der AIDA-Flotte und wurde 2002 als Schwesterschiff der legendären AIDAcara in Dienst gestellt. Fast zwei Jahrzehnte lang war sie das Gesicht der Reederei, bevor sie durch die Pandemie in einen jahrelangen Dornröschenschlaf fiel. Heute hat sie ein völlig neues Leben in Fernost begonnen.

Herkunft und Bedeutung für AIDA
Die AIDAvita wurde in der Wismarer Aker MTW Werft gebaut und 2002 von keiner Geringeren als der damaligen Bundeskanzler-Gattin Doris Schröder-Köpf getauft.
- Konzept: Zusammen mit ihrer Schwester AIDAaura bildete sie das Rückgrat für kleinere Häfen und anspruchsvolle Routen.
- Maße: Mit 203 Metern Länge und Platz für ca. 1.260 Passagiere war sie ein klassisches Clubschiff der ersten Generation.
- Besonderheit: Sie verfügte über eine extrem große Fangemeinde, die das persönliche Flair und die Übersichtlichkeit den gigantischen Neubauten vorzog.
Die Ära bei AIDA (2002–2022)
Die Vita war das Schiff für die „besonderen Momente“:
- Selection-Reisen: Sie brachte Gäste in den Amazonas, nach Grönland und zu den entlegensten Inseln der Karibik.
- Das plötzliche Aus: Mit Beginn der Pandemie 2020 wurde sie außer Dienst gestellt. Im Gegensatz zur Aura kehrte sie jedoch nie wieder in den aktiven Dienst für AIDA zurück. 2022 verkündete die Reederei offiziell den Abschied.
Wo ist die AIDAvita heute?
Nachdem sie fast zwei Jahre lang ungenutzt in Tallinn (Estland) vor Anker lag, gab es viele Gerüchte über eine Verschrottung. Doch die Vita hatte Glück:
- Neuer Name: Sie heißt heute Blue Dream Melody.
- Besitzer: Die chinesische Reederei Blue Dream Cruises.
- Aktueller Status: Seit 2024 ist sie erfolgreich auf dem chinesischen Markt im Einsatz. Sie wurde modernisiert, wobei viele der klassischen AIDA-Strukturen (wie das Theater und die Lounges) im Kern erhalten blieben, aber an den chinesischen Geschmack angepasst wurden.
Das „Beaching“-Szenario: Warum die Vita dem Schneidbrenner entkam
Lange Zeit sah es für die AIDAvita düster aus. Schiffe, die über zwei Jahre ungenutzt im kalten Wasser liegen, verrotten schnell. Viele Experten rechneten mit einem letzten Weg nach Alang oder Aliaga zum Beaching.
Die Rettung in letzter Sekunde
Dass die Vita nicht verschrottet wurde, lag an zwei Faktoren:
- Der Boom in Asien: Nach der Pandemie suchten neue chinesische Reedereien händeringend nach bezahlbarer Tonnage, um den boomenden Markt zu bedienen.
- Bauqualität: Die deutsche Wertarbeit der Wismarer Werft sorgte dafür, dass die Substanz des Schiffes trotz der langen Liegezeit hervorragend war.
Das Schicksal der Vita zeigt: Ein Beaching ist oft das Resultat von Zeitdruck. Da der Markt für gebrauchte Schiffe 2023 wieder anzog, fand sich mit Blue Dream Cruises ein Käufer, der bereit war, in die Reaktivierung der alten Dame zu investieren.
