Ein landesweiter Streik in Frankreich hat am 5. November 2026 auch den Hafen Le Havre erfasst. Laut AIS-Daten von Schiffsradar24 ging die Zahl der im Hafen liegenden Schiffe gegenüber dem Vortag deutlich zurück, während mehr Schiffe auf Reede auf ihre Abfertigung warteten.
Was ist passiert?
Der Streiktag am 5. November war laut France 3 Régions Teil eines breiteren, sektorübergreifenden landesweiten Streik- und Protesttags in Frankreich gegen die hohen Lebenshaltungskosten, zu dem Gewerkschaften, die „Gelbwesten“-Koordination sowie Schüler- und Studentenbewegungen aufriefen. In der Normandie waren an diesem Tag 23 Kundgebungen angekündigt, unter anderem in Rouen, Le Havre und Caen. Laut Maritime Executive ist dieser landesweite Generalstreik getrennt vom vorangegangenen internationalen Dockerstreik gegen die Militarisierung der Häfen zu betrachten, auch wenn die Hafengewerkschaften zur Teilnahme aufriefen. Bereits Ende Oktober hatte ein 24-stündiger landesweiter Ausstand der Docker den Hafenbetrieb in Le Havre, Marseille-Fos, Dünkirchen und Calais zu rund 95 Prozent lahmgelegt, wie Afloat/Travelextra berichtete. Der CGT-Generalsekretär der Hafenarbeiter in Le Havre, François Brisot, erklärte laut AFP-Meldung über Sudradio, dass an den Hafentoren weder be- noch entladen werde. Berichte über einen zusätzlichen, eigenständigen Streik der Schlepper-Besatzungen sowie über konkrete Störungen am 5. und 6. November in Le Havre und Calais, wie sie in einzelnen internationalen Medien kursieren, ließen sich im Rahmen dieser Recherche nicht unabhängig bestätigen.
Was die AIS-Daten zeigen

Laut den AIS-Daten von Schiffsradar24 lagen am 5. November 2026 gegen 12:58 Uhr insgesamt 56 Schiffe im Hafen von Le Havre, davon 24 größere Einheiten ab 80 Metern Länge. 55 Schiffe waren festgemacht, ein Schiff befand sich in Fahrt im Hafengebiet. Zum Vergleich: 24 Stunden zuvor hatte Schiffsradar24 noch 72 Schiffe im Hafen gezählt, der 7-Tage-Durchschnitt liegt bei 65 Schiffen. Die Zahl der auf Reede wartenden Schiffe stieg leicht auf 11, gegenüber 10 am Vortag – im 7-Tage-Schnitt sind es allerdings mit 17 Schiffen deutlich mehr, sodass sich aktuell kein ungewöhnlicher Rückstau abzeichnet. Nach Schiffstyp verteilten sich die im Hafen liegenden Einheiten auf 11 Tanker, 7 Frachter, ein Passagierschiff sowie 37 sonstige Fahrzeuge. In den vergangenen 24 Stunden registrierte Schiffsradar24 insgesamt 325 Anläufe und 337 Abfahrten im Hafengebiet. Unter den größeren Schiffen, die laut AIS auf Reede auf ihre Abfertigung warteten, befanden sich unter anderem die Tanker ARDMORE DAUNTLESS (184 m) und BRO ANNA (144 m) sowie die Frachter OHIRAYAMA (183 m) und ARDENNES (180 m). Am Hafeneingang waren laut AIS mehrere Lotsenboote wie VB LONGCHAMP 17, VB SAINTE-ADRESSE 25 und VB GASCOGNE sowie der Schlepper LE ROZEL seit den frühen Morgenstunden im Einsatz, was auf laufenden – wenn auch reduzierten – Schiffsverkehr hindeutet.
Der Hafen
Le Havre ist einer der größten Häfen Frankreichs. Die französischen Häfen verarbeiteten 2025 insgesamt rund 330 Millionen Tonnen Güter, was laut CNEWS/Sudradio etwa 7 bis 8 Prozent des europäischen Gesamtaufkommens entspricht. Logistikfirmen rechneten nach dem Oktober-Streik mit Nachlaufverzögerungen von drei bis fünf Tagen bei Umschlag und Gate-Abfertigung in den großen französischen Seehäfen.
Wie geht es weiter?
Zu möglichen weiteren Streiktagen oder einer Entspannung der Lage liegen derzeit keine über die genannten Quellen hinausgehenden offiziellen Informationen vor. Schiffsradar24 beobachtet die Lage im Hafen von Le Havre anhand der AIS-Daten weiter.



