Schiffsradar Hintergrundinfos: Wie funktioniert die Live-Verfolgung?
Möchtest du wissen, wie ein Schiffsradar technisch funktioniert und woher die Daten für die weltweite Schiffsverfolgung stammen? Hier findest du die wichtigsten Hintergrundinformationen kompakt zusammengefasst.
Woher stammen die Daten für Schiffsradar24?
Die auf Schiffsradar24 angezeigten Live-Informationen basieren primär auf den Datensätzen von marinetraffic.com. Diese Plattform aggregiert weltweite Schiffsbewegungen und stellt sie visuell auf einer interaktiven Karte zur Verfügung.
Die Technologie dahinter: Was ist AIS?
Die Grundlage für die Positionsbestimmung fast aller Schiffe ist das sogenannte AIS (Automatic Identification System).
- Funktionsweise: Schiffe senden über UKW-Funk kontinuierlich Identifikations- und Positionsdaten aus.
- Inhalt: Übertragen werden neben der aktuellen Position auch die Geschwindigkeit, der Kurs, der Schiffstyp und das Ziel.
- Sicherheit: Ursprünglich zur Vermeidung von Kollisionen entwickelt, ermöglicht AIS heute die präzise Schiffsverfolgung in Echtzeit für Nutzer weltweit.
Was ist das AIS? Funktionsweise und Vorteile des Identifikationssystems
Das AIS (Automatic Identification System) wurde im Jahr 2000 offiziell in Betrieb genommen, um die Sicherheit in der internationalen Schifffahrt maßgeblich zu erhöhen. Durch die kontinuierliche Übermittlung von Standort- und Schiffsdaten bietet es weitaus mehr Informationen als ein herkömmliches Radar.
Sicherheit und Kommunikation auf See
Die primäre Aufgabe von AIS ist die Vermeidung von Kollisionen und Unfällen. Da das System nicht nur die Position, sondern auch schiffsbezogene Daten (wie Name, Kurs und Geschwindigkeit) überträgt, können Besatzungen andere Schiffe direkt identifizieren und kontaktieren.
Im Vergleich zum klassischen Radar bietet AIS entscheidende Vorteile:
- Identifikation: Schiffe sind mit Namen und Rufzeichen sichtbar.
- Präzision: Übermittlung von Echtzeitdaten zur Kursberechnung.
- Reichweite: Lokalisierung über größere Distanzen als bei rein optischen Radarsystemen möglich.
Reichweite und Signalübertragung via UKW
Die Übertragung der AIS-Signale erfolgt über UKW-Funk (Ultrakurzwelle). Die tatsächliche Reichweite ist dabei von der Sendeleistung und vor allem der Masthöhe abhängig:
- Schiff-zu-Schiff: In der Regel beträgt die Reichweite etwa 37 km (ca. 20 Seemeilen).
- Landstationen: AIS-Basisstationen an der Küste decken meist einen Radius von 50 bis 100 km ab.
Weltweite Abdeckung durch Satelliten-AIS (S-AIS)
Sobald sich Schiffe auf hoher See oder in entlegenen Gebieten außerhalb der Reichweite von Landstationen befinden, kommt das S-AIS (Satelliten-gestütztes AIS) zum Einsatz. Satelliten erfassen die Signale aus dem Weltraum und ermöglichen so eine lückenlose Überwachung der Weltmeere.
Dieser spezialisierte Service ist aufgrund der hohen Betriebskosten primär für Reedereien relevant. Für private Nutzer bietet jedoch auch marinetraffic.com die Option an, S-AIS-Daten gegen einen Aufpreis hinzuzubuchen, um Schiffe weltweit in Echtzeit zu verfolgen.
AIS-Ausrüstungspflicht: Welche Schiffe müssen das System nutzen?
In der modernen Seefahrt ist die Nutzung eines AIS-Transponders nicht immer freiwillig. Um die Sicherheit auf den Weltmeeren und Wasserstraßen zu gewährleisten, gibt es klare internationale und nationale Vorschriften zur Ausrüstungspflicht.
Die rechtliche Grundlage bildet hierbei meist die SOLAS-Konvention (Safety of Life at Sea). Folgende Schiffstypen müssen zwingend mit AIS ausgestattet sein:
- Berufsschiffe in internationalen Gewässern: Ab einer Größe von 300 BRZ (Bruttoraumzahl).
- Berufsschiffe in nationalen Gewässern: Ab einer Größe von 500 BRZ.
- Fahrzeuge über 20 Meter Länge: Unabhängig von der Tonnage müssen Schiffe ab dieser Länge (je nach Revier) AIS führen.
- Passagierschiffe: Alle Schiffe, die mehr als 50 Passagiere befördern, unterliegen der Ausrüstungspflicht.
- Binnenschifffahrt: Hier gelten oft gesonderte nationale Vorgaben. In vielen europäischen Gebieten (z. B. auf dem Rhein) ist AIS für die gewerbliche Schifffahrt bereits verpflichtend.
Sonderregelung für das Militär
Eine Ausnahme bilden Militärschiffe. Für sie besteht grundsätzlich keine gesetzliche Ausrüstungspflicht, um die taktische Geheimhaltung von Positionen zu wahren. Dennoch sind die meisten Kriegsschiffe heute mit einem AIS-Sender ausgestattet, der jedoch bei Bedarf jederzeit abgeschaltet werden kann (Silent Mode).
Welche Daten werden übermittelt?
| Statische Schiffsdaten | Dynamische Schiffsdaten | Reisedaten |
|---|---|---|
| IMO-Nummer | Navigationsstatus (unter Maschine, unter Segeln, vor Anker, festgemacht, manövrierunfähig u. a.) | aktueller maximaler statischer Tiefgang in dm |
| Schiffsname | Schiffsposition | Gefahrgutklasse der Ladung |
| Rufzeichen | Zeit der Schiffsposition (nur Sekunden) | Reiseziel |
| MMSI-Nummer | Kurs über Grund | geschätzte Ankunftszeit |
| Schiffstyp (Frachter, Tanker, Schlepper, Passagierschiff, SAR, Sportboot u. a.) | Geschwindigkeit über Grund | |
| Abmessungen des Schiffes (Abstand der GPS-Antenne von Bug, Heck, Backbord- und Steuerbordseite) | Vorausrichtung | |
| Kursänderungsrate |