AIDAblu: Das Schicksal der ersten „Blu“ und ihr Ende in Alang
Die AIDAblu ist heute ein fester Begriff für moderne Kreuzfahrten. Doch hinter dem Namen verbirgt sich eine bewegte Geschichte. Während die aktuelle AIDAblu (Baujahr 2010) weiterhin die Meere bereist, fand ihre Vorgängerin – die „alte“ AIDAblu – ein spektakuläres Ende an einem fernen Strand in Indien. In diesem Bericht erfahren Sie alles über die Herkunft, die Ära bei AIDA Cruises und das finale Schicksal des Schiffes.
Herkunft und technische Daten
Bevor sie als AIDAblu bekannt wurde, hatte die spätere Kussmund-Schönheit bereits eine Karriere hinter sich. Gebaut wurde sie 1990 als Crown Princess in der italienischen Fincantieri-Werft. Mit einer Länge von rund 245 Metern und Platz für ca. 1.600 Passagiere war sie für damalige Verhältnisse ein Gigant. Ihr markantes Design mit der futuristischen Kuppel über der Brücke verlieh ihr ein unverwechselbares Profil.

Die Zeit bei AIDA Cruises (2004–2007)
Nach einer kurzen Zeit als A’Rosa Blu wurde das Schiff 2004 offiziell als AIDAblu in die Flotte aufgenommen. Sie war das vierte Schiff der Reederei und markierte eine Übergangsphase:
- Konzept: Sie bot mehr Platz und Luxus als die kleineren „Clubschiffe“ AIDAcara, vita und aura.
- Routen: Die Blu war vor allem in Nordeuropa, der Ostsee und rund um die Kanaren im Einsatz.
- Abschied: Da AIDA auf die einheitliche Sphinx-Klasse (z. B. AIDAdiva) setzte, verließ die alte Blu die Flotte bereits 2007 wieder.
Wo ist die alte AIDAblu heute?
Nach Stationen als Ocean Village Two und Pacific Jewel endete ihre Reise als Karnika bei der indischen Reederei Jalesh Cruises. Die globale Pandemie bedeutete 2020 das wirtschaftliche Aus. Das Schiff wurde zum Verschrotten verkauft und im November 2020 in Alang, Indien, auf den Strand gesetzt. Heute ist das Schiff vollständig zerlegt und recycelt.
Das „Beaching“: Der letzte, brachiale Akt eines Kreuzfahrtschiffes
Das sogenannte Beaching ist wohl der dramatischste Moment im Leben eines Schiffes. Es ist das bewusste Auf-Grund-Setzen bei voller Geschwindigkeit.
Wie funktioniert ein Beaching?
Wenn ein Kreuzfahrtschiff wie die AIDAblu ihren letzten Weg zur Abwrackwerft in Alang antritt, fährt sie nicht einfach langsam in einen Hafen. Da es dort keine tiefen Docks für die Verschrottung gibt, wird das Schiff bei extremer Flut manövriert.
Der Kapitän gibt ein letztes Mal „Voraus Voll“. Mit maximalem Schub steuert das Schiff direkt auf den schlammigen Strand zu. Ziel ist es, den Rumpf so weit wie möglich in den Sand zu schieben, damit die Arbeiter bei Ebbe trockenen Fußes an das Schiff herankommen.
Warum ist das so spannend?
- Präzision im Chaos: Trotz der rohen Gewalt muss das Schiff exakt auf einem zugewiesenen „Slot“ am Strand landen, oft nur wenige Meter neben anderen Wracks.
- Ein skurriler Anblick: Es ist surreal, ein majestätisches Kreuzfahrtschiff, das einst durch die Karibik glitt, mit voller Wucht in den Matsch krachen zu sehen.
- Das Ende einer Ära: Sobald die Motoren verstummen und der Rumpf im Schlick festsitzt, wird die Stromzufuhr gekappt. Das Schiff ist von diesem Moment an kein Fahrzeug mehr, sondern eine Immobilie – und kurz darauf nur noch ein Haufen Altmetall.
Das Beaching der AIDAblu (Karnika) im Jahr 2020 war eines der meistdiskutierten Ereignisse in der Ship-Spotter-Szene, da es das Ende eines der letzten Schiffe mit dem klassischen „Dolphin“-Design markierte.