Die Mein Schiff 3 von TUI Cruises ist am Sonntagabend, 25. Oktober 2026, beim Auslaufen aus Bremerhaven mit einem festgemachten Containerschiff zusammengestoßen. Nach übereinstimmenden Berichten wurden dabei mehrere Rettungsboote des Kreuzfahrtschiffs zerstört. Verletzt wurde nach bisherigem Stand niemand. Das Schiff liegt wieder an der Columbuskaje, die Wasserschutzpolizei ermittelt.
Was ist passiert?
Die Mein Schiff 3 sollte am Sonntag zu einer 20-tägigen Reise über Westeuropa zu den Kanarischen Inseln aufbrechen. Kurz nach dem Ablegen kam es gegen 17:30 Uhr zur Kollision. Für den Abend galt eine Windwarnung des Deutschen Wetterdienstes mit Böen um 55 km/h; der starke Wind gilt in den bisherigen Berichten als wesentlicher Faktor. Mindestens ein Schlepper begleitete das Manöver.
Getroffen wurde nach Angaben mehrerer Medien das Containerschiff MSC Victorine, das am Containerterminal festgemacht hatte. Videos von Gästen zeigen, wie die Heckpartie des Containerschiffs mehrere Rettungsboote der Mein Schiff 3 aufreißt. Augenzeugen sprechen von mindestens vier zerstörten Rettungsbooten und beschädigten Bootskränen. Die Nordsee-Zeitung berichtete von einem rund zehn Meter langen Riss im Rumpf des Containerschiffs; offiziell bestätigt ist das bisher nicht.
Wie viele Schiffe betroffen sind, ist noch nicht eindeutig: Die Polizei sprach zunächst von zwei, später von drei Schiffen, eine Sprecherin dagegen von nur einem Zusammenstoß. Zuvor hatte die Mein Schiff 3 den kleineren Containerfrachter MSC Anne F passiert – ob es dort eine Berührung gab, ist laut Cruise Hive unklar.
An Bord waren laut TUI Cruises 2.428 Gäste und 922 Besatzungsmitglieder. Kapitän Jan Schubert teilte laut t-online den Gästen per Durchsage mit, dass nach derzeitigem Stand niemand verletzt wurde. Die Gäste blieben über Nacht an Bord.
Was die AIS-Daten zeigen
Die AIS-Daten von Schiffsradar24 zeichnen das Manöver nach (alle Zeiten MEZ): Die Mein Schiff 3 löste sich gegen 17:08 Uhr von der Columbuskaje und nahm auf der Weser Fahrt in Richtung Norden auf, entlang der Stromkaje des Containerterminals. Um 17:21 Uhr meldete sie 6,8 Knoten, um 17:22 Uhr 7,0 Knoten. Die nächste Position um 17:26 Uhr zeigt nur noch 1,3 Knoten – das Schiff hatte innerhalb von rund vier Minuten fast vollständig gestoppt. Diese Position liegt knapp 200 Meter südlich der AIS-Position der festgemachten MSC Victorine; in den Minuten danach kam die Mein Schiff 3 ihr bis auf rund 100 Meter nahe. Der Zeitpunkt passt zu den Medienangaben zur Kollision.
Zwei Schlepper waren laut AIS direkt dabei: FAIRPLAY-91 und FAIRPLAY-82 folgten der Mein Schiff 3 vom Liegeplatz aus mit bis zu 10 Knoten und waren um 17:25 Uhr bis auf wenige Dutzend Meter an ihr. In unmittelbarer Nähe der MSC Victorine lagen außerdem die Schlepper SVITZER ROTA, VB EVOLUTION und VB EMOTION, die sich ab etwa 17:20 Uhr bewegten. Ob sie in das Manöver eingebunden waren, geht aus den AIS-Daten nicht hervor.
Nach dem Stopp blieb die Mein Schiff 3 rund eine Viertelstunde fast auf der Stelle (0,5 Knoten). Ab etwa 17:42 Uhr bewegte sie sich mit bis zu 3,3 Knoten zurück und lag kurz nach 18 Uhr wieder an der Columbuskaje, rund 1,7 Kilometer vom Kollisionsort entfernt. Dort liegt sie laut AIS auch am Montagmorgen. Als nächstes Ziel meldet das Schiff unverändert A Coruña.
Wichtig für die Einordnung: AIS meldet die Position der Antenne, nicht die Außenkanten der Schiffe. Bei einem 294 Meter langen Kreuzfahrtschiff und einem 366 Meter langen Containerschiff lässt sich aus den Daten allein nicht ablesen, wo und wie oft sich die Rümpfe berührt haben.
Die beteiligten Schiffe
| Mein Schiff 3 | MSC Victorine | |
|---|---|---|
| Typ | Kreuzfahrtschiff | Containerschiff |
| Reederei | TUI Cruises | MSC |
| IMO | 9641730 | 9946867 |
| Länge | 294 m | 366 m |
| Status laut AIS (26.10.) | an der Columbuskaje | festgemacht am Containerterminal |
Die Mein Schiff 3 wurde 2014 in Dienst gestellt und hat rund 99.500 BRZ. Die aktuelle Position zeigt unsere Live-Seite der Mein Schiff 3. Bereits am Samstag war sie früher als geplant in Bremerhaven eingetroffen, weil auf der vorherigen Reise ein Hafen wetterbedingt ausfiel – zeitgleich mit der umgeleiteten MSC Preziosa.
Wie geht es weiter?
Ob die Reise zu den Kanaren (geplant bis 14. November 2026) stattfinden kann, ist offen. TUI Cruises kündigte an, weitere Informationen zu geben, sobald gesicherte Erkenntnisse vorliegen. Nach einem Bericht von Schiffe und Kreuzfahrten darf das Schiff wegen der fehlenden Rettungsmittel vorerst nicht auslaufen; Branchenkenner halten einen längeren Ausfall für möglich. Unfallursache und Schadenshöhe ermittelt die Wasserschutzpolizei Bremen. Wir aktualisieren diesen Bericht, sobald es neue Informationen gibt.



